Es schreiben mich immer wieder junge Menschen an die gerne Meeresbiologie studieren möchten. Die meisten haben gerade ihr Abitur gemacht und immer noch nur Flausen im Kopf. Diese setzen sich aus äußerst romantischen Vorstellungen zusammen, die reichbebilderte Phantasien von der Arbeit mit Delphinen, Haien, Schildkröten und bunten Korallen unter palmbestanden, tropischen Stränden beinhalten.
Ja, auch mich hat dieser Traum einst zum Studium der Meeresbiologie verleitet. Leider ist er nur bedingt wahr geworden und hat vor allem viele Entbehrungen und Sorgen mit sich gebracht.
Damit den geneigten Leser dieses Schicksal nicht unvorbereitet trifft, hinterlasse ich meine Gedanken in diesem Artikel:
2006 habe ich meinen Master in Meeresbiologie abgeschlossen und seit dem keinen richtigen Job in diesem Bereich gefunden. Den einzigen Ratschlag den ich jedem vermeintlichen Meeresbiologen dahe mitgeben will, ist daher folgender:
Es gibt zwei Möglichkeiten:
1. Man studiert irgend etwas ganz anderes mit der Möglichkeit in die Meeresbiologie quereinzusteigen.
Es mag dumm und unromantisch klingen, aber Wirtschaft, sprich BWL, ist da fast das beste. Wenn Du der Umwelt etwas gutes tun willst, kannst Du das auf diesem Wege besser, als wenn Du direkt Meeresbiologie studierst. Die Möglichkeiten in Organisationen wie Greenpeace oder dem WWF als Meeresbiologe zu arbeiten, sind verschwindend gering. Als Ökonom, Presse- oder Kommunikationsmensch hingegen, sind sie sehr gut.
2. Man nimmt sein Studium toternst und arbeitet wie eine Wahnsinnige: Kennt und weiß absolut ALLES (und das heißt nichts anderes als:lesen, lesen, lesen und nochmal lesen). Nebenher (also zusätzlich & gleichzeitig) sieht man zu, sich soviele Kontakte zu schaffen wie nur irgend möglich: Professoren, Selbstständige, Berater, Leute in der Wirtschaft, egal. Diese Kontakte dienen einzig und alleine dem Zweck, dem Absolventen nach dem Studium einen Job, eine Doktorandenstelle und Erfahrung zu verschaffen und damit ein Weiterkommen zu garantieren - Stillstand ist tötlich. Ohne Erfahrung ist Herr und Frau Akademiker nach dem Studium nämlich nichts wert. Wer nach seinem Studium auch nur halbwegs über die Runden kommen und den Anschluss nicht verpassen will, muss schon während des Studiums arbeiten und Berufserfahrung sammeln (so wie das in einer herkömmlichen Lehre auch der Fall ist). Während des Studiums bieten sich da Praktika und freiwilligen Dienste diverser Naturschutzorganisationen an. Vergesst Urlaub!
Es sei angeraten bei diesen Praktika auf einen wirtschaftlich interessanten, weil lukrativen Hintergrund zu achten. Das bedeutet nicht, dass man versuchen sollte ein bezahltes Praktika zu bekommen - das ist eh illusorisch - sondern das die angenommene Position für das Unternehmen/Naturschutzorganisation Geld generiert. Nur so erfährt man früh genug, was es bedeutet in der Wirtschaft tätig zu sein, statt nur einen luxuriösen Kostenfaktor darzustellen. Als solchen sieht unsere verkommerzialisierte Welt Naturschutz und Wissenschaft nämlich nachwievor. Und es sei jedem Träumer davon abgeraten zu Glauben er oder sie könne das in nächster Zeit ändern.
Die besten Praktika sind natürlich solche die Kontakte wirtschaftlicher oder seriös wissenschaftlicher Natur mit Arbeitserfahrung verbinden. Solche Kontakte (Professoren, Pressesprecher, etc.) stellen nach dem Studium wertvolle Verbindungen in eine erste Anstellung, ein erstes Projekt und so weiter dar. Ein gutes Verhältnis wird natürlich immer vorausgesetzt. Ein wenig Arschkriechen, Schleimen und Strebern gehört also auch dazu.
Freiwilligen Dienste die bezahlt werden müssen, sind völliger Schwachsinn und können schlicht als wissenschaftlich unseriös abgetan werden. Sie dienen einzig und alleine dazu jungen Träumern das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Ansonsten ist eine gute Übung sich nebenbei mit dem Einwerben von Geldern zu beschäftigen. Dies gilt insbesondere für diejenigen Leser die es auf eine Karriere in der Wissenschaft abgesehen haben (das schaffen nur ungefähr 5% aller Absolventen). Also am besten vor einem Auslandsaufenthalt ein Stipendium beim, z.B. DAAD, DFG, Auslands-BaFöG und div. Stiftungen beantragen.
Ganz generell betrachtet, ist die Meeresbiologie nur etwas für Träumer, Reiche oder extrem energiegeladene Menschen. Träumer fliegen auf die Fresse, Reiche können eh machen was sie wollen und energiegeladene Menschen wären in anderen Bereichen reich geworden... würden aber wohl auch unglücklich sterben. Wer zu letzteren gehört, soll sehr gern Meerebiologie studieren, aber auch frühzeitg dafür sorgen, dass er hinterher nicht auf der Straße landet. Das ist höllisch schwer!!!
Grundlegendes:
Das Studium der Meeresbiologie ist wunderbar. Es macht tierisch Spaß und man lernt äußerst interessante Menschen kennen. Leider muss man ein absoluter Überlebenskünstler sein. Man darf sich niemals darauf verlassen, dass mit dem Uniabschluss allein, ein Job vorbei geflogen kommt. Das ist eine Illusion.
Für den Fall das man sich einfach nur für die Unterwasserwelt begeistert, habe ich eine bessere Idee:
Geht raus, macht irgendwie Euren Divemaster, fangt an zu arbeiten (als Divemaster), spart Euer Geld, lasst Euch zum Tauchlehrer ausbilden und werdet so glücklich. Wer es richtig macht, ist noch vor seinem 20/21 Geburtstag Tauchlehrer und hat bereits 2-3 Länder betaucht. Mit 24 hast man dann schon was von der Welt gesehen, ein paar Erfahrungen gesammelt und hat dann immer noch alle Zeit der Welt ein Studium anzufangen... aber diesmal das richtige, bzw. mit dem richtigen Elan.
Es ist immer möglich die Welt zu verändern und es ist immer knochenharte Arbeit. Wer immer noch Fragen hat, schreibt mir einfach!
Liebe Grüße aus Irgendwo von der meeresbiologischen Tauchlehrerfront,
Liko





