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Spitzbergen

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Unser Maskottchen: Kåre KrykjeLongyearbyen/Spitsbergen (Svalbard) 25.07.2003


Dies ist der erste Text einer noch nicht vollendeten Reihe über meinen Aufenthalt auf Spitzbergen an der dortigen Uni. Einer Außenstelle der vier großen Norwegischen Universitäten: UNIS (link: www.unis.no). Longyearbyen/Spitsbergen (Svalbard), den 30.07.2003 - Ich hatte es ja bereits angekündigt, hier also der etwas ausführlichere Bericht zu den ersten Tagen meines Spitzbergenaufenthalts und dem damit verbundenen Studium der hiesigen Biologie: Zum Studium kann ich derzeit nichts berichten, da es noch nicht begonnen hat. Gleich morgen allerdings beginnt der Security Course, welcher mir das Überleben in dieser doch recht unwirklichen Gegend der Welt sichern helfen soll. So lerne ich dort zum Beispiel den Umgang mit einer Jagdwaffe zu Selbstverteidigungszwecken gegenüber Eisbären, außerdem das Überleben im Schnee für den Fall das ich mich einmal in der Situation wiederfinde allein in der Wildnis übernachten zu müssen. Es wird also spannend! Am Sonntag geht es dann mit der ersten Ausfahrt zur terrestrischen arktischen Biologie so richtig los. Ich bin gespannt wie ein Flitzbogen. Longyearbyen, das Dorf (1500 Einwohner) in dem sich die Uni befindet liegt direkt am Isfjord, wobei sich hinter ihm ein schmales Tal erstreckt in das gleich zwei Gletscher münden. Zwischen ihnen befindet sich der Berg "Sarkophagen", auf dessen Spitze zwei versteinerte Trollkoepfe gen Osten blicken und damit der Ursache ihres vormaligen Todes direkt ins strahlende morgendliche Antlitz. Sie liessen ihr Leben also entweder im Fruehling oder Herbst, zu einer Zeit in der die Sonne auf und unter ging. Seit dem ich hier bin habe ich noch keinen einzigen Stern gesehen, da gerade Mitsommer ist, eine Zeit in der die Sonne um den Himmel kreist; eine natuerliche Uhr darstellt. Mit Ende August wird es wieder eine zeitlang einen normalen Tag-Nacht-Rythmus geben, bevor es dann im November fuer circa drei Monate still und stockfinster wird: Mitwinter und Polarlichter (Aurea Borealis, hier oben uebrigens nur in weiss oder gruen; zu weit noerdlich fuer weitere Farben). Ich wohne zu Fuessen der oben erwaehnten Gletscher in Nybyen, einem Dorf am Endes des schmalen Tales, das im wesentlich aus Studentenbaracken besteht. Ein Umstand der wohl dem Schutz der arbeitenden Bevoelkerung in Longyearbyen, vor den Tagaus Tagein feiernden Studenten dient. Eine recht nützliche Einrichtung, wie ich finde. Sie stören uns nicht und sie werden im angesichts unserer fröhlichen Gesichter während des Mitwinters nicht depressiv. Es kursieren allerdings schon einige lustige Geruechte ueber unsere Enklave "dort hinten in Nybyen". So wuerden wir dort staendig Orgien feiern und sowieso jede der Welt bis zu diesem Zeitpunkt bekannte Droge in Mengen konsumieren, dass es selbst einem Drogenbaron schwindelt. Nun es stimmt schon, es geht uns schon verflucht gut dort oben, aber Orgien und Drogen gibt es wahrlich keine. Nun wie dem auch sei, ich fuer meinen Teil bewohne ein circa 10 m2 grosses Zimmer, dass ich bereits mit Hilfe bunter Tücher aus meiner goettinger Studentenbuzze gemuetlich eingerichtet habe. Ueber den Flur teile ich mir ein Bad mit einem mir zu diesem Zeitpunkt unbekannten Mitbewohner. Er oder Sie ist noch nicht eingetroffen. Ansonsten kann ich zu diesem Zeitpunkt nur noch ueber Tiere berichten. Als da waeren: Die einzigen 4 Landsaeugetiere: - Eisbaeren, als die groessten unter ihnen und unangefochtenen Herrschern der Arktis (Eisbaeren und Pinguine sagen sich uebrigens nicht Gute Nacht hier oben, egal was man sich so erzaehlt, oder erzaehlt bekommt). Ich hatte noch keine Begegnung mit einem von ihnen. Hoffe aber bald von einer solchen berichten zu koennen. - Polarfuechse, als die frechsten und nach den Moewen auch schlausten unter ihnen. Lass es ein gutes Omen sein fuer den Namen meiner e-mail Adresse, aber auch noch nicht gesehen; Bericht wird ebenfalls nachgereicht (ggf. mit Photo) - Polarratten, irgendwie ueber Schiffe eingeschleppt, aber mittlerweile an die Umgebung angepasst. Evolution und so, also auch irgendwie ganz interessant. - Und last "and" least(es sei denn ich entdecke noch eine fünfte Spezies), dass Rentier, von dem ich übrigens auch schon eines gesehen habe. Es grasste eines Morgens im Sonnenschein in aller Seelenruhe unter meinem Fenster. Setzte sich wenig spaeter in den Hang und doeste vor sich hin. Man kommt uebrigens recht dicht an sie heran, da sie aus energitechnischen Gruenden nicht wegrennen. Dort werden also auch noch Photos nachgereicht. Neben Land Säugetieren gibt es hier natürlich noch haufenweise anderes Getier, so habe ich erst vor circa einer Stunde, durch ein festinstalliertes Fernrohr im Unigebäude, Beluga Wale durch unseren Hausfjord schnauben sehen. In dem eher grau anmutenden Wasser, sieht das dann aus als würde eine schillernde Perle durch das Wasser hüpfen, so strahlend weiß setzten sie sich ab. Darüber hinaus gibt es hier zahlreiche Vögel, allen voran mein neuer Lieblingsvogel, die Küstenseeschwalbe. Wie andere ihrer Art gleitet sie in schwerelosem Schwalbenstil über Fjord und Küste, aber ihre schwarzweiße Farbgebung, der noch extremere Schwalbenschwanz und die Falkenflügel, nur schmaler und länger zulaufend, geben ihr insgesamt die Erscheinung von vollkommener Eleganz und lässt sie weit über ihren Artgenossen stehen. Eben diese Form von Körper und Bewegung, ermöglicht es ihr zweimal im Jahr von Pol zu Pol zu fliegen und so dem globalen Lauf der Sonne zu folgen. Diese Leistung macht sie zum absoluten Langstreckenrekordhalter des gesamten Tierreichs und zum Sonnenvogel par exellance. Sie lebt den "endless Summer", waehrend sie Luftwellen reitet; da wird doch jeder Surfer neidisch. Ihre Eigenart, ihr Nest mit allen zur Verfuegung stehenden Mitteln zu verteidigen, in diesem Fall dem Schnabel, war ein weiterer Grund zu ihrer Wahl als meinem neuen Lieblingsvogels. Kommt ein Raeuber, voellig unabhaengig wie gross oder stark, ihrem Nest zu nah, schwingt sie sich ueber sein Haupt und stuerzt sich schnabelvoran auf ihn herab, um wild drauflos zu hacken, bis der Raeuber in die Flucht geschlagen ist. Neben ihr gibt es hier die Polarmoewe, unserer heimischen Silbermoewe recht aehnlich, nur eine ganze Ecke groesser. Ihre Fluegelspannweite wuerde ich auf geschmeidige 120cm schaetzen und eben so ruhig steht sie damit in der Luft. Nicht ganz so elegant wie die beiden Vorgaenger, dafuer aber frech und lustig, ist die Dreizehenmoewe, oder auch Kitti Wake genannt. Eine von ihnen hat sich in unserer Gegend auf offene Fenster spezialisiert. Lasse ich mein Fenster eine Weile offen stehen, dauert es keine halbe Stunde und Choore, oder Anton (so nennen ihn die Deutschen hier), klopft an um Butter oder Wurst in Empfang zu nehmen. Er ist sogar inzwischen so zutraulich, dass ich ihm die Butter auf meinen Fingern darbieten kann. Er fliegt dann in Moewenmanier an, schnappt kurz zu und dreht wieder ab. Mein kleines, dafuer taegliches Spektakel. Sonst gibt es noch den Snow Banting, den einzige Singvogel hier oben. Er sieht unserem heimischen Sperling recht aehnlich, nur ist er statt schwarzbraun hier oben eher schwarzweiss gefaerbt, bei aehnlicher Scheckung. Das soll es bis auf weiteres gewesen sein. Nach meinen Cruises werde ich einen weiteren Bericht dieser Art schreiben, wenn ich denn Zeit finde. Liko
Last Updated on Monday, 04 January 2010 09:06  

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