Mir dünkt der Deutsche kann erst Gelassenheit entwickeln, wenn er mindestens zehn Unterschriften am Tag leistet. Seine bürgerliche Gelassenheit quasi abzeichnet, gegenzeichnet und in dreifacher Ausfertigung mit Tränchen in den Augen an der Rezeption abgibt. Ach, da fühlt er sich endlich glücklich und geht noch auf ein schnelles Bier zu seinen Kumpels an die Poolbar. "War 'nen rischtisch schähner Urlaub, wah Hilde?", heißt es dann zu Hause.
Daß das Managemant selbige Verfahrensweisen jedoch auch auf die Angestellten übertragen muss, die ja eigentlich professionelle Gelassenheit austrahlen sollen, finde ich hingegen erstens unfair und zweitens schlicht kontraproduktiv. Ja ja, richtig erkannt, da spricht die urdeutsche Tugend der Effektivität aus mir.
Doch was hat das denn jetzt alles mit dem Autor zu tun, fragt sich der eine oder die andere. Nun, angefangen hat alles mit einem Haufen Arbeit am Tag zuvor. Im morgendlichen Tran, stehe ich am nächsten Tag auf und vergesse auf dem Weg zum Frühstück meinen Schlüssel im Zimmer und das ich ja eigentlich eine Stunde länger schlafen darf. Beim frühstücken mit meinem Chef, dann das Erwachen: Dreckmist, verdammter, mein Schlüssel!!!
Der erste Weg führt zur vermeintlich allmächtigen Rezeption meines Resorts. Die werden schon wissen, wo ich einen Zweitschlüssel herbekomme. Den Gästen helfen sie ja auch ständig bei allem möglichen. Dort wird mir gesagt ich solle doch einmal zum Zimmerservice gehen, die hätten Schlüssel für alle Zimmer, weil sie die ja säubern würden. Macht irgendwie Sinn, denke ich mir und dackle wieder zurück auf die andere Seite der Insel. Doch die Zimmermädchen zucken nur französisch mit den Schultern und sagen sie wüßten von nichts. Nach ein wenig Zwischenschulterklopfen, wird mir erzählt ich solle doch einmal zur Technik gehen, die hätten Schlüssel. Gut, denke ich mir, dann also auf zu den Schweißern, Klempnern und sonstwie technisch begabten Menschen. Dort angekommen, wollten sie gleich mein ganzes Schloß auswechseln. Diese Technikervariante heißt in Deutschland auch einfach Schlüsseldienst und bringt Dich in der Regel um Deinen halben Monatslohn. Das Inseläquivalent dazu ist das halbe erträgliche Tagesmaß an Stress. Also auch irgendwie nicht so das Richtige.
Wen ich denn sonst fragen könne, wer meinen Zweitschlüssel hat? Geh doch mal zur HR (Human resources). Na gut, macht auch irgendwie Sinn, denn dort habe ich damals schließlich meinen ersten Schlüssel bekommen. Also wieder auf die andere Seite der Insel gewechselt; wozu arbeitet man schließlich als fitter Taucher. An der Bürotür brauche ich gar nicht erst lange zu klopfen. Alles ist dunkel und keiner anwesend. Auf Nachfrage stellt sich heraus, dass der Gute im morgendlichen Meeting steckt, welches erst in einer halben Stunde endet. Schön denke ich, mir meiner freien Stunde mittlerweile bewußt geworden, dann kann ich aigentlich auch anfangen zu arbeiten. Gesagt getan, auf in die Tauchschule. Dort:
Guten Morgen, guten Morgen, warum siehst Du denn so scheisse aus?
Ich hab mich ausgeschlossen und mein Ausschlafen mit der Suche nach einem Zweitschlüssel verbracht.
Ah ja, dass ist eher doof.
Daraufhin fange ich an zu arbeiten und renne eine halbe Stunde später zurück zur HR.
Der Schlüssel?
Ja ja, kein Problem, auf welchem Zimmer bist Du denn?
1234.
Ahhh, die Schlüssel habe ich alle Deinem Boss gegeben. Die müßte er haben.
ZENSIERT.
Lehren kann ich daraus irgendwie keine ziehen, es sei denn, dass man besser keinen Urlaub in deutschen Hotels bucht, ausser man steht auf diesen Ämterwahn. Oder andersherum, man möge diese Geschichte als Trost für die Daheimgebliebenen verstehen und die Ämter zu Hause nicht allzu sehr schelten, bei der Arbeit in den Tropen ist es auch nicht besser. So long...





