
Manchmal im Leben entwickeln sich Orte zu mehr als der schieren Existenz eines Punktes auf der Karte. Und einige ganz wenige davon schlagen so tiefe Wurzeln in unseren Herzen, dass man anfängt sie Heimat zu nennen, selbst dann noch, wenn man nicht einmal dort aufgewachsen ist. Meine alte WG in der Schwachhauser Heerstr. in Bremen ist so ein Ort und ist meine gewachsene Heimat.
Zum 1. April 2012, wird die Wohnung mit ihrem verwunschenen Dachboden kernsaniert und alle Bewohner müssen ausziehen. Keiner von uns hegt deswegen Groll. Die Decken sind brüchig und das Bad und die Wände verschimmeln. Es war einfach Zeit. Aber die Wehmut die in unseren Erinnerungen an die gemeinsam an diesem Ort gelebte Zeit mitschwingt, bleibt ein Teil unseres Lebens. Unzählige am Küchentisch durch disskutierte Nächte, geteilte Mittag- und Abendessen, verbrannte Toasts und in die Schüssel gebrüllte Biere. Kopfschmerzen beim ersten Kaffee. Schreie hinter verschlossenen Türen nach Toilettenpapier. Der vertraute Duft auf der Treppe, wenn das Gulasch Deines Mitbewohners auf dem Herd blubbert. Süße Melancholie, Riefen in unserem Kerbholz, das wir stolz vorzeigen wie ein Krieger seine Narben.
Solchen Orten gebührt ein entsprechend würdevoller Abschied. In diesem Fall, eine Party wie sie die Welt noch nicht gesehen hat, eine WG-AbrissParty: Die letzte Reise nach
Alang.
24 Euro und 3 Cent Flaschenpfand standen am Ende zu Buche...